Liebe Eltern

Sie werden sich fragen, wie läuft so eine Unterrichtseinheit ab, wie wird Schach gelehrt, gibt's Turniere usw. Ich werde versuchen den Ablauf kurz zu erklären. Sie können mich aber jederzeit in der Schule oder telefonisch erreichen, um noch offene Fragen zu klären.

Ein erster ganz wichtiger Punkt: in den schulfreien Tagen findet kein Schachunterricht statt. Bei Krankheit oder sonstiger Verhinderung beim Schachunterricht nicht teilnehmen zu können, bitte den Schachtrainer informieren.

Anfangs wird auf die Richtigkeit der Brettaufstellung eingegangen, kleine Spiele wie " Wer kann am Schnellsten aufstellen " sind dabei sehr hilfreich und wird auch mit Begeisterung mitgemacht. Als Nächstes lernen wir die Figuren richtig zu bewegen. Nach ca. 3 Einheiten sollten dies alle Kinder beherrschen. Kleine Übungen helfen uns wieder das Gelernte zu vertiefen. Schlagen und geschlagen werden schließt den ersten Abschnitt ab. Unsere erste große Herausforderung - unser Hotzenplotzturnier - oder auch Räuberschachturnier genannt. Es werden die ersten 3 Ränge jeder Gruppe ausgefochten und wunderschöne Urkunden plus große Tafeln Schokolade warten auf die Sieger.

In jeder Stunde wird natürlich auch im Heft der Stufenmethode gearbeitet. Wir meistern einige Beispiele miteinander, wobei das " ALLE Verstanden " im Vordergrund steht. Zu Hause sollen dann die noch nicht gelösten Übungen gelöst werden und diese werden in der nächsten Einheit auf deren Richtigkeit überprüft. Schokopunkte als Belohnung für gemachte Hausübungen motivieren und sind sehr beliebt.

Nach einiger Zeit können unsere Kinder schon mit Schach und Schach abwehren umgehen. Auch Angriff und Angriff abwehren wird eingehend untersucht. Dann ist es Zeit endlich richtig Schach zu spielen. Die Anfangszüge der Italienischen Eröffnung werden erklärt und schon geht's los. Die Kinder brennen schon auf die erste Partie. Jetzt wird schon auf den letzten Zug des Gegners geachtet, kleine Fragen " wie: was will Dein Gegner mit seinem letzten Zug eigentlich " runden die Spiele ab.

Beim Spiel mit der Uhr gehen die Experten eher eine andere Richtung als wir. Bei uns soll der Spaß am Spiel immer im Vordergrund stehen und die Erfahrung zeigte uns, dass der Spaß beim Blitzschach am größten ist. Bei nur einer Partie in einer Unterrichtseinheit von ca. 55 Minuten vergeht den Kindern viel zu schnell das Lustige am Spiel. Sie wollen gewinnen und das so oft wie nur möglich.

Also wird bei uns geblitzt, mit einer Rangliste die jede Runde korrigiert wird und einem Schokopunkt für den Ranglisten Ersten nach der Unterrichtsstunde. Die Kinder können Herausfordern und bei Siegen ihren Platz in der Reihe verbessern, bei Niederlagen aber auch verschlechtern. Der Umgang mit Sieg und Niederlage wird zur Selbstverständlichkeit, denn auch gute Spieler verlieren die ein oder andere Partie. So wird die Spannung immer hoch gehalten und den Schachstunden wird entgegengefiebert.

Jeder Schule werden einige Schachgarnituren geliehen und die Kinder können so während der Pausen spielen - wird mit riesiger Begeisterung angenommen, von Kindern und Lehrern.

Nach dem Jahreswechsel wartet das Familienschachturnier auf uns. Heuer spielten 96 Teilnehmer mit und alle waren wieder begeistert. Aber auch der Volksschul Cup ist eine tolle Turniereinrichtung. Zwar ein Einzelturnier mit Schweizersystem, so werden die Besten jeder Schule zur Mannschaftwertung gezählt und nach der Turnierserie werden tolle Pokale an die Schulen vergeben. Diese bekommen in den Schulen ganz besondere Plätze und die Schüler sind stolz so schöne Pokale erkämpft zu haben.

Jetzt wird die Brücke zum Verein geschlagen. Talente werden mit den Eltern zu einigen Trainingsnachmittagen eingeladen. Viele Kinder sind vom Vereinsleben begeistert und da auch die Eltern -meist der Papa- mit trainiert, ist ein Übergang in das regelmäßige Vereinstraining meist eine Forderung der Kinder und Papas.

So werden Talente nun schon im Verein trainiert und nehmen natürlich auch beim Schulschach teil, das steigert auch das Niveau der anderen Schüler und die Begeisterung reißt nicht ab.

Das Heft Stufenmethode wird Seite für Seite durchgemacht, nur die vielen Schachmatt in einem Zug werden nicht als Hausübung gegeben. Nur die Fleißigsten können diese Seiten in den Ferien durchgehen und jedes Jahr sind es ganz wenige die diese Mattübungen nicht lösen. Darauf sind wir natürlich sehr stolz, die Kinder und wir Schachtrainer.

Zur Zeit sind wir "5 Schachlehrer", viele Direktionen würden sich aber wünschen dieses Angebot auch in ihren Schulen anzubieten. Und so wird jedes Jahr nach Schachlehrern gesucht, die ein Jahr bei unseren erfahrenen Trainern mitmachen und so genügend Erfahrung sammeln können um nächstes Jahr selbst eine Gruppe zu unterrichten.

Unser Höhepunkt ist aber dann die Schulschachlandesmeisterschaft. Aus jeder von uns betreuten Schulen wird zumindest ein Team zur Landesmeisterschaft entsandt. In den letzten 10 Jahren haben wir die LM 9x !! gewonnen und auch im Bundesbewerb waren wir 4x !!! erfolgreich.

Nach diesem Bewerb ist auch der Unterricht in den Schulen zu Ende und unsere Kinder fiebern schon wieder dem nächsten Jahr entgegen.

Gerhard Scheuchenegger

 

Die STAPPENMETHODE

von Rob Brunia und Cor van Wijgerden begleitet Kinder vom Erlernen der ersten Grundlagen bis zu einer ansehnlichen Spielstärke über viele Jahre hinweg. Viele Schulen und Schachvereine in den Niederlanden benutzen die Methode für ihre Schachlektionen und auch in Deutschland gewinnt die Methode immer mehr Anhänger.
Viele Schachverbände, Schachvereine und Schulschachgruppen haben ihre Lehrgangsarbeit bereits auf die Stappenmethode umgestellt, die in den 80er Jahren in Holland entstand.

Damals setzte Cor van Wijgerden viele Übungsblätter für die besten Jugendspieler der Niederlande ein (er war damals Nationaltriner des holländischen Schachverbandes). Die Nachfrage nach derartigen Aufgaben auch auf einem niedrigeren Niveau wurde immer größer. So ging  van Wijgerden daran, zusammen mit dem (zwischenzeitlich verstorbenen) Pädagogen Rob Brunia ein geschlossenes Konzept zu entwickeln, dass an dem kindlichen Denken anknüpft und mit der Zeit immer weiter verbessert wurde.

1987 wurden die ersten Trainer-Handbücher und Aufgaben herausgegeben. 1990 erschien das fünfte Handbuch und damit war die Lehrmethode mehr oder weniger abgerundet. 2004 kamen neben der deutschen Übersetzung auch die englischen und französischen Sprachversionen in den Handel.

Die Lehrmethode besteht aus sechs Stufen (Stappen = Stufen). Zu jeder Stufe gehört ein Handbuch mit Lektionen für den Trainer und ein Arbeitsbuch mit Aufgaben für die Schüler. Dazu gibt es nach jeder Stufe „Prüfungen“ und bei einer erfolgreichen Teilnahme ein „Examen“.

Die STAPPENMETHODE ist nicht nur im Schachverein oder der Schule anwendbar sondern die Hefte lassen sich auch ausgezeichnet zu Hause einsetzen. Wichtig ist dabei vor allem: Dem Kind Zeit zu lassen, sich die darin präsentierten Inhalte langsam und gründlich anzueignen - denn die einzelnen Arbeitshefte sind didaktisch klug ausgetüftelt und über die Jahre hinweg immer weiter verbessert worden - mit einfachen „Taktiksammlungen“ haben diese nicht viel gemein.

Hier ein Überblick über die Inhalte der ersten fünf Stufen:

Stufe 1
In der ersten Stufe werden die Grundregeln des Schachspiels behandelt. Viel Aufmerksamkeit wird den elementaren Fertigkeiten gewidmet, die zum Schachspielen benötigt werden. Auch das Mattsetzen spielt eine zentrale Rolle.

Stufe 2
Jetzt stehen die ersten Grundregeln der Taktik und des Positionsspiel auf dem Programm. Gelernt werden Angriffstechniken, mit denen man geschickt Material erbeuten kann.

Stufe 3
Die Taktikthemen sind relativ einfach und auch die Lektionen über die Verteidigung gegen Taktik sind noch elementar. Die ersten Bauernendspielen werden behandelt. In dieser Stufe beginnt das Erlernen wichtiger unterstützender Fähigkeiten. Eine davon ist das Vorausdenken. Der Schüler berechnet im Kopf die Möglichkeiten auf dem Brett und stellt sich gleichzeitig die neu entstandene Situation auf dem Schachbrett vor (er visualisiert die Stellung).

Stufe 4

Der Schwierigkeitsgrad des Lernstoffes in der vierten Stufe liegt höher als in der dritten. Das liegt besonders an der Zügeanzahl der Löungen der Aufgaben. Bei den meisten Themen ist die Lösung 2-3 Züge tief. Die Taktik steht größtenteils im Zeichen des vorbereitenden Zuges. Ein direkter Angriff wirkt noch nicht, eine vorbereitende Aktion ist daher notwendig. Alle vorhandenen Vorbereitungen kommen an die Reihe: hinlenken, Ausschalten der Verteidigung, jagen, richten und räumen.

Stufe 5
Positionelle Aspekte spielen eine immer größere Rolle für Spieler in der 5. Stufe. Die Lektionen über Bauernstruktur, siebte Reihe, starkes Feld und offene Linien enthalten viele strategische Dinge. Mit einem Plan zu spielen, ist im Schach sehr wichtig und ein unentbehrlicher Anteil an den einzelnen Lektionen über das Endspiel.

Vorstufen
Vor kurzem erschienen auch zwei Vorstufen-Arbeitshefte, die sich sehr gut für die ersten Aktivitäten im Kindergarten bzw. Vorschulalter eignen. Sie wenden sich an Kinder, die noch nicht lesen können und haben auch größere Stellungsbilder, die der gröberen Motorik in diesem Alter Rechnung tragen.

Einsatzmöglichkeiten
Dem Autor selbst ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass die einzelnen Stufen langsam und mit ausreichender Zeit durchlaufen werden sollten. Anders als einfache Taktiksammlungen kann es hier nicht darum gehen, möglichst viel Aufgaben in möglichst kurzer Zeit zu lösen. Jede einzelne Stufe beinhaltet Aufgaben für etwa ein ganzen Lernjahr. Auch wenn die erste Stufe noch vermeintlich leicht erscheint, so legt sie doch die Grundlagen für eine spätere erfolgreiche Entwicklung. Die fünfte Stufe erreichen nach van Wijgerden überhaupt nur wenige Kinder, sie hat mindestens D-Kader Niveau.

Fazit

Die Stappenmethode ist nicht umsonst in unserem Nachbarland seit vielen Jahren erfolgreich. Das Konzept ist durchdacht, optimal aufbereitet, kostengünstig und kann junge Schachspieler viele Jahre hindurch begleiten. Mit dieser Methode sollte sich jeder Vereinstrainer auseinandersetzen.